Kritische Medienkompetenz und Community Medien

Medien spielen eine wichtige Rolle für Menschen aller Altersgruppen - sie dienen als Informationsquelle, als Mittel zur sozialen Interaktion und als Basis der politischen Meinungsbildung. Angesichts aktueller Phänomene wie "Fake News", Filterblasen oder Hasspostings kommt der Förderung einer kritischen Medienkompetenz - gerade in der Erwachsenenbildung - eine wichtige Rolle zu. Das Dossier bietet einen Überblick über Konzepte und Grundlagen und beleuchtet anhand von Beispielen, wie nichtkommerzielle Community Medien die Entwicklung einer kritischen Medienkompetenz fördern.

Kritische Medienkompetenz und Community Medien

Text: CC BY Helmut Peissl, Andrea Sedlaczek, Barbara Eppensteiner und Carla Stenitzer 2018

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Weitere Informationen zum Dossier sind auf erwachsenenbildung.at zu finden.

Medienkompetenz in der Erwachsenenbildung ist ein Thema, das in den vergangenen Jahren weitgehend vernachlässigt wurde. Angesichts der Rolle, die Medien für Lernende heute als Quelle von Informationen, als Mittel für soziale Interaktion und als wichtige Grundlage zur politischen Meinungsbildung einnehmen, ist dies nicht leicht verständlich. Mit der Diskussion um Effekte wie Filterblasen, die enorme Verbreitung von Falschmeldungen und von Hasssprache hat Medienkompetenz - oft unter den Begriffen der digitalen Kompetenz oder der Medien- und Informationskompetenz - vermehrt Beachtung in der bildungspolitischen Auseinandersetzung gewonnen. Nach wie vor liegt der Fokus in der Auseinandersetzung mit Medienkompetenz oder Medienbildung vornehmlich auf Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche. Dies bestätigte 2016 die EU-weite Analyse von Praktiken und Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz der audiovisuellen Beobachtungsstelle des Europarates. Die AutorInnen kamen zum Schluss, dass nur in sehr wenigen Ländern Medienkompetenzangebote zu finden sind, die sich an Erwachsene richten.

Diese Lücke in der Auseinandersetzung zu schließen, bedarf längerfristiger Anstrengungen vieler AkteurInnen in der Erwachsenenbildung. Dieses Themendossier soll helfen, die Diskussion zu intensivieren und die Breite der Thematik bewusst zu machen. Wir sprechen in diesem Dossier bewusst von kritischer Medienkompetenz, um den politischen Aspekt herauszustreichen, der einer konsequenten Auseinandersetzung mit Medien und ihren Rollen für unser gesellschaftliches Zusammenleben innewohnt. Medienverhältnisse sind immer auch Machtverhältnisse und die Möglichkeiten zum Gestalten von Medieninhalten ändern sich in Abhängigkeit davon, bei welchem Medium jemand aktiv ist oder aktiv sein kann - ist das der öffentlich-rechtliche ORF, eine Boulevardzeitung oder ein Freies Radio?

Wir reden im Zuge dieses Dossiers weniger von Rezeption als von Medienhandeln, da eine passive Rolle in Bezug auf Medien - hier die RezipientInnen, dort die ProduzentInnen - spätestens seit den Studien in den 1970er-Jahren zur aktiven Rolle der RezipientInnen bei der Interpretation von Inhalten unangebracht sind. Mit der raschen Verbreitung von Smartphones und der Möglichkeit, nahezu immer und überall Inhalte empfangen und senden zu können, wurde Medienhandeln nicht nur interaktiv, sondern auch enorm beschleunigt. Allerdings kann mit dem Entstehen der populären, kommerziellen Social Media-Plattformen noch lange nicht von einer Demokratisierung der Medienverhältnisse gesprochen werden - eher schon von einer Kommerzialisierung der Partizipation. Die problematischen Begleiterscheinungen bleiben meist ausgeblendet oder finden nur in Fällen von grobem Datenmissbrauch, etwa im Fall von Cambridge Analytics, Eingang in die öffentliche Diskussion.

Ausgangspunkt dieses Themendossiers bildet die Auseinandersetzung mit der Mediatisierung der Alltagswelt und den Aspekten, mit denen sich kritische Medienkompetenz heute auseinandersetzen muss. In der Folge setzen wir uns mit einigen zentralen Problemen, Auswirkungen und Herausforderungen auseinander, die sich aufgrund des Medienwandels ergeben. Wir wollen ermuntern, sich in Lehr-/Lernsituationen vermehrt mit Fragen wie Filterblasen, Hasssprache, "Fake News" und der Bedeutung von Privatsphäre auseinanderzusetzen.

In einem eigenen Kapitel setzen wir uns mit Sprachen in den Medien und einem Gegensatz auseinander: Medien sind vorwiegend einsprachig gestaltet, obwohl die Gesellschaft zunehmend von Mehrsprachigkeit gekennzeichnet ist.

Die nichtkommerziellen Freien Radios und Community TV-Sender bilden niederschwellige Lernräume, in denen sich Menschen weit mehr als Medienkompetenz aneignen können. Wie der Zugang zur Programmgestaltung und zu Workshopangeboten funktioniert, legen wir anhand der Praxis der Radiofabrik in Salzburg und des Community TV-Senders Okto in Wien dar.

Am Beispiel einiger Kooperationsprojekte von nichtkommerziellen Radios mit Organisationen der Erwachsenenbildung kann gezeigt werden, wie die Sender zur eigenständigen Regionalentwicklung und zu Community Development beitragen und welche neuen Perspektiven sich aus solchen Kooperationen auch für traditionelle Bildungsanbieter ergeben. Auch wenn sich viele Beispiele in diesem Dossier auf die Situation in Österreich bzw. im deutschsprachigen Raum beziehen, haben wir uns bemüht, an vielen Stellen auch die europäische und internationale Auseinandersetzung einzubeziehen.

Mit diesem Themendossier soll ein erster Einblick darin gegeben werden, mit welchen Themenschwerpunkten sich Bildungsangebote der Erwachsenenbildung aus der Perspektive kritischer Medienkompetenz heute vordringlich befassen sollten. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich der Medienwandel heute vollzieht, sind es immer wieder andere Anwendungen und Plattformen, die für bestimmte soziale Gruppen Bedeutung haben. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass zentrale Fragen bei der kritischen Auseinandersetzung mit Medien auch im digitalen Zeitalter ähnlich jenen sind, die sich auch schon vor der Entstehung des Internets gestellt haben.

 

 

 

 

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